GanzIL – Ganzheitliche Integrationsleistung und Neukundenaktivierung

Was verbirgt sich eigentlich hinter den Begriffen GANZIL und Neukundenaktivierung?

Bei GanzIL handelt es sich um eine Abkürzung für ganzheitliche Integrationsleistung. Bezeichnet werden damit Angebote von Bildungsträgern, die im Auftrag der Jobcenter Maßnahmen durchführen, die der Integration von Arbeitssuchenden in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt dienen sollen.

Darüber, wie sinnvoll oder erfolgreich diese Maßnahmen tatsächlich sind, wird durchaus kontrovers Diskutiert.

Macht es zum Beispiel Sinn, einen über 60 Jährigem Menschen, der seit mehreren Jahren trotz umfangreicher Eigenbemühungen keine Arbeit findet, die seinen Lebensunterhalt voll finanzieren kann, in eine Maßnahme zu schicken, in der er lernt, sich zu motivieren und seine Bewerbungsmappe zu optimieren? Auch die Formen der Beschäftigung während solcher Maßnahmen geben oft Anlass zur Kritik. So hatte zum Beispiel das Team Wallraff sinnlose und unwürdige Maßnahmen für Hartz-IV-Empfänger aufgedeckt, als er und sein Team undercover unterwegs in deutschen Jobcentern war.

Unter anderem hat der Enthüllunngsjournalist Günter Wallraff miterlebt, wie Hartz-IV- Empfänger in vollkommen sinnlose Maßnahmen gesteckt wurden. Der in seinem bei RTL ausgestrahlten Beitrag vorgestellte Fall, bei dem Langzeitarbeitslose Lama spazieren führen mussten, stellt dabei sicher noch nicht den Gipfel der Absurditäten deutscher Jobcenter-Maßnahmen dar.

Dass viele Maßnahmen weniger der Qualifizierung der arbeitslosen Menschen sondern oft nur der Beschönigung der Arbeitslosenstatistiken dienen, scheint von vielen so gesehen zu werden. Eine Echte Hilfe stellen die meisten Maßnahmen offensichtlich nicht dar. Auch wenn vereinzelte Maßnahmen durchaus Sinn machen, werden sie oftmals dadurch unnütz, dass sie einfach nicht bedarfsgerecht angeboten werden. Wenn einfach 100 Menschen in die gleiche Maßnahme gesteckt werden, dann wird sie vielleicht für einige tatsächlich sinnvoll sein, für viele aber eher nicht.

Das zumindest glaubt Heinrich D., der eine dieser Maßnahmen miterleben durfte und darüber ein Buch mit dem Titel „GANZIL – Tagebuch einer (Zwangs-)Maßnahme“ geschrieben und als e-Book veröffentlicht hat. In seinem Buch schildert er auf unterhaltsame Weise den Alltag in einer der „besseren“ Maßnahmen, gibt aber auch Einblicke in die etwas absurderen.

Wer wissen will, was bei Maßnahmen des Jobcenters wirklich passiert, wofür Steuergelder ausgegeben werden und wer davon profitiert, und sich dabei nicht nur ärgern möchte, ist mit diesem Buch sicher gut beraten.

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