Die ersten Wochen

 

Was in den ersten Wochen dieser, vom Jobcenter „verordneten“ (Zwangs-) Maßnahme namens GANZIL geschehen ist, habe ich in meinem Buch „GANZIL – Tagebuch einer (Zwangs-) Maßnahme“ ausführlich beschrieben. 

Da die gesamte Maßnahme nicht unbedingt vor Aktivitäten strotzte, blieb viel Zeit für andere Dinge. Viele Teilnehmer haben sich mit ihrem scheinbar unausweichlichen Schicksal, diese Lebenszeit raubende Maßnahme absitzen zu müssen, abgefunden und versucht die Zeit auf irgendeine Weise herum zu bringen. Strategien wurden entwickelt, wie man mit möglichst wenig Stress und Aufwand diese Maßnahme überstehen und ohne negative psychische Folgen hinter sich bringen kann.

Das darf man jetzt nicht falsch verstehen. Es handelte sich dabei nicht um Menschen, die nicht ernsthaft auf der Suche nach Arbeit waren. Es waren nicht diese arbeitsfaulen Menschen, die sich auf Kosten des Staates, auf Kosten der Allgemeinheit durch Hartz-IV bereichern wollten. Es handelte sich im Allgemeinen um ganz normale Menschen, die aus verschiedensten Gründen in diese menschenverachtende Hartz-IV-Maschinerie gelangt waren und sehr schnell erkannt haben, dass diese Maßnahme einfach zum allergrößten Teil vollkommen sinnlos war. Einige hatten bereits Maßnahmen-Erfahungen. Sie waren entweder bereits das zweit oder dritte Mal in dieser Maßnahme oder hatten bereits andere von anderen sogenannten Bildungsträgern besucht und dort bereits erfahren, wie sinnlos die Zeit dort vergeudet wird.

Ich habe beschlossen, meine Erfahrungen aufzuschreiben, um meine die aufkommende Frustration und Hilflosigkeit, die man verspürt, wenn man unter Androhung von Sanktionen dazu gezwungen wird, seine Zeit in einer Einrichtung abzusitzen, die so gut wie keinen nutzen bringen wird, um die beruflichen Chancen auf dem maroden Arbeitsmarkt zu verbessern. Es finden keine Qualifizierungen statt. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass die bisherigen Bewerbungen einfach nicht ausreichend waren, um einen (guten) Job zu finden. Also werden fragwürdige bewerbungsrelevante Workshops angeboten, ein Bewerbungsfoto erstellt und die Bewerbungsmappe überarbeitet. Und das ist noch das sinnvollste in dieser Maßnahme. Warum dafür allerdings sechs Monate veranschlagt werden, ist den meisten ein Rätsel geblieben, zumal sich die Workshops nach einer gewissen Zeit wiederholen.

Sinnvoll ist dieser Teil der Maßnahme aber auch nur dann, wenn man davon ausgeht, dass es ausreichend offene Stellen gibt und der Grund dafür. dass man einfach keine Arbeit findet, mangelhafte Bewerbungsunterlagen sind. Fehlende Qualifikationen scheinen hier nicht berücksichtigt zu werden. Ebenso wie die Tatsache, dass der Arbeitsmarkt es einfach nicht her gibt.

Ich schweife ein wenig ab. In meinem Buch habe ich das bereits näher beleuchtet, deshalb möchte ich mich hier nicht wiederholen.

Als die meisten bewerbungsrelevanten Pflichtveranstaltungen besucht und die Bewerbungsmappe endlich optimiert war, gab es nicht mehr viel zu schreiben, so dass ich das die Tagebucheinträge meines Buches abschloss und es beendete. Interessant dürfte es aber noch sein, ob die neuen Bewerbungsunterlagen nun doch zum Erfolg führen. Vielleicht gibt es auch Reaktionen auf das Buch. Seitens der Teilnehmer, des Bildungsträgers oder des Jobcenters. Im Moment ist gerade mal etwas mehr als ein Monat vergangen und die Maßnahme ist für sechs Monate angesetzt. Da kann schon noch einiges passieren – aber wohl nicht so viel, dass es Sinn gemacht hätte, mit der Veröffentlichung des Buches zu warten.

In diesem Blog werde ich also all das nachliefern, was (noch) keinen Platz im Buch gefunden hat. Je nach dem, wie die Sache weiter geht, wird es vielleicht eine Fortsetzung oder eine neue Auflage des Buches geben – lassen wir uns überraschen.

 

Veröffentlicht in Tagebuch